Ölziehen mit Kokosöl: Anwendung, Wirkung und Tipps für den Alltag

Ölzie­hen spielt im Ayur­ve­da eine sehr wich­ti­ge Rol­le und ist ein tol­les Dai­ly-Detox-Ritu­al, mit dem du täg­lich die Rei­ni­gungs­pro­zes­se dei­nes Kör­pers unter­stüt­zen kannst. Und viel­leicht hast du schon davon gehört oder hast es sogar schon mal aus­pro­biert. Aber bist dir noch unsicher:

  • Wie funk­tio­niert es genau
  • War­um wird oft Kokos­öl verwendet?
  • Wel­ches ist das rich­ti­ge Öl für mich beim Ölziehen?
  • Wie lan­ge und wie oft soll­te ich es durchführen?
  • Für wen ist Ölzie­hen geeignet?

In die­sem Arti­kel erfährst du, wel­che Wir­kung Ölzie­hen hat und wie du es rich­tig durch­führst. Du bekommst du eine ein­fa­che, all­tags­taug­li­che Ein­füh­rung in das Ölzie­hen mit Kokos­öl und ande­ren Ölen sowie eine Schritt-für-Schritt-Anlei­tung für das Ölzie­hen. Du erfährst, was hin­ter dem Ölzie­hen steckt, wie du es rich­tig anwen­dest und wor­auf es wirk­lich ankommt.

Inhaltsverzeichnis 

Was ist Ölziehen im Ayurveda?

Ölzie­hen ist eine tra­di­tio­nel­le Anwen­dung aus dem Ayur­ve­da. Das Ölzie­hen hat eine sehr lan­ge Tra­di­ti­on und wird auch in der west­li­chen Welt immer bekann­ter und belieb­ter. Im Ayur­ve­da gehört Ölzie­hen (auch „Gan­du­sha“ genannt) zu den täg­li­chen Rou­ti­nen, den soge­nann­ten Dinacharya.
 
Die Idee dahin­ter: Der Mund ist ein zen­tra­ler Ort für Gesund­heit, denn der Mund­raum gehört bereits zum Ver­dau­ungs­sys­tem. Durch die täg­li­che Pfle­ge und Rei­ni­gung kannst du dei­ne Ver­dau­ung hier schon unter­stüt­zen und dei­ne Geschmacks­wahr­neh­mung ver­bes­sern.
Beim Ölzie­hen wird z. B. Kokos­öl für eine bestimm­te Zeit im Mund bewegt bzw. durch die Zahn­zwi­schen­räu­me gezo­gen – mit dem Ziel, den Mund­raum zu rei­ni­gen und die Mund­hy­gie­ne zu unter­stüt­zen. Es geht vor allem um die Stär­kung der Zäh­ne und des Zahn­fleisches, aber auch um die Vor­beu­gung von Kari­es, Mund­ge­ruch und Zahnfleischbluten.
Ölziehen ist eine traditionelle Anwendung aus dem Ayurveda.

Welche Vorteile bietet Ölziehen mit Kokosöl oder anderen Ölen für die Mundgesundheit?

Ich zie­he seit über 9 Jah­ren täg­lich Öl und mein Zahn­arzt ist bei der jähr­li­chen Kon­trol­le jedes Mal ganz begeis­tert von mei­nen Zäh­nen und lobt jedes Mal mei­ne Zahnpflege. 🙂

Aber das Ölzie­hen wirkt sich nicht nur posi­tiv auf dei­ne Zahn­ge­sund­heit aus, son­dern kann auch bei Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen und Zahn­be­lag hel­fen, eine Anti-Kari­es-Wir­kung haben, anti­bak­te­ri­ell wir­ken und bei Mund­ge­ruch unterstützen.

Mit dem Ölzie­hen unter­stützt du außer­dem den nächt­li­chen Rei­ni­gungs­pro­zess dei­nes Kör­pers. Alles, was sich über Nacht auf der Zun­ge abge­la­gert hat, wird mor­gens durch das Zun­gen­scha­ben und Ölzie­hen ent­fernt. Denn bei der Anwen­dung wer­den Gif­te aus dem Mund­raum und dem Zahn­fleisch gezo­gen. Dadurch ver­bes­sert sich die Durch­blu­tung des Zahn­fleisches und der gesam­te Kör­per wird ent­las­tet, da das Ölzie­hen eine anti­bak­te­ri­el­le und ent­gif­ten­de Wir­kung hat.

Das Ölzie­hen mit Kokos­öl ist beson­ders gut geeig­net bei viel Pit­ta und Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen, denn Kokos­öl hat eine küh­len­de Wir­kung. Außer­dem ist ein tol­ler Neben­ef­fekt vom Ölzie­hen mit Kokos­öl: Die Zäh­ne kön­nen dadurch wie­der hel­ler werden.

Kon­sis­tenz
Kokos­öl wird bei Raum­tem­pe­ra­tur fest und schmilzt im Mund ange­nehm weich.

Geschmack
Es hat einen mil­den, leicht süß­li­chen Geschmack – deut­lich ange­neh­mer als vie­le ande­re Öle.

All­tags­taug­lich­keit
Gera­de für Ein­stei­ger ist Kokos­öl oft leich­ter umzu­set­zen, weil es sich ein­fach gut anfühlt.

Ver­gleich zu ande­ren Ölen 

  • Sesam­öl: tra­di­tio­nel­ler im Ayur­ve­da, inten­si­ver im Geschmack, wirkt wär­mend und ist daher für die Vata-Kon­si­tu­ti­on gut geeignet
  • Son­nen­blu­men­öl oder Oli­ven­öl: neu­tral, aber weni­ger „typisch ayurvedisch“

Das Ölzie­hen ist nur eine von vie­len ayur­ve­di­schen Mor­gen­ri­tua­len – erfah­re hier, wel­che noch dazu gehören »

Das Ölziehen wirkt sich nicht nur positiv auf deine Zahngesundheit aus, sondern kann auch bei Zahnfleischentzündungen und Zahnbelag helfen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger: Ölziehen mit Kokosöl

Ers­ter Schritt:
Füh­re das Ölzie­hen direkt nach dem Auf­ste­hen durch, noch bevor du etwas getrun­ken oder geges­sen hast. Begin­ne die Mund­hy­gie­ne mit dem Zun­gen­scha­ben. Dafür nimmst du einen Zun­gen­scha­ber oder einen klei­nen Löf­fel und schabst von der Zun­gen­wur­zel bis zur Zun­gen­spit­ze mit ein wenig Druck 4–5 Mal über die Zunge.

Der Zun­gen­be­lag sagt sehr viel über dei­ne Gesund­heit aus. Das Zun­gen­scha­ben ist daher ein wich­ti­ger Bestand­teil der ayur­ve­di­schen Mund­hy­gie­ne, denn dadurch wer­den Gift­stof­fe, die sich über Nacht auf der Zun­ge ange­sam­melt haben, ent­fernt. Wenn weiß­li­cher Belag auf der Zun­ge bleibt – trotz Zun­gen­scha­ben – ist das oft ein Zei­chen dafür, dass sich Ama (Gift­stof­fe) im Kör­per ange­sam­melt haben.

Zwei­ter Schritt:
Für das Ölzie­hen nimmst du 1/2–1 Ess­löf­fel Kokos­öl oder ein ande­res Öl in den Mund und ziehst die­ses hin und her.

Durch das Ölzie­hen wird Spei­chel pro­du­ziert und Bak­te­ri­en kön­nen im Mund­raum auf­ge­nom­men wer­den. Nach dem Ölzie­hen soll­test du das Öl aus­spu­cken – am bes­ten in ein Küchen­pa­pier oder ein Taschen­tuch und es dann in den Müll wer­fen. Das hat zwei Grün­de: Ers­tens kann das Öl den Abfluss ver­stop­fen und zwei­tens gelan­gen die Bak­te­ri­en so nicht ins Abwasser.

Ich berei­te wäh­rend­des­sen oft mein hei­ßes Was­ser vor und prä­pa­rie­re schon die ers­ten Din­ge für das Früh­stück. Nach eini­ger Zeit wird das Ölzie­hen ein fes­tes Ritu­al – wie das Zähneputzen.

Drit­ter Schritt:
Nach dem Ölzie­hen soll­test du dei­nen Mund gründ­lich mit Was­ser aus­spü­len und anschlie­ßend mit einer mil­den Kräu­ter­zahn­pas­ta dei­ne Zäh­ne putzen.

Vier­ter Schritt:
Nach der ayur­ve­di­schen Mund­hy­gie­ne ist jetzt die idea­le Zeit, um dein hei­ßes Was­ser zu trin­ken. Das hei­ße Was­ser ist wie eine Dusche von innen und unter­stützt eben­falls den mor­gend­li­chen Rei­ni­gungs­pro­zess und akti­viert dei­nen Stoffwechsel.

Was ist die ideale Dauer für das Ölziehen mit Kokosöl?

Die gro­ße Fra­ge: Wie lan­ge soll­te ich Ölziehen?

Hier unter­schei­den sich manch­mal die Mei­nun­gen. Ich sage immer: Mache es so lan­ge, wie es sich gut für dich anfühlt. Auch schon ein paar Minu­ten machen einen Unter­schied für dei­ne Zahngesundheit.

Wenn wir län­ger Öl zie­hen (bis zu 20 Minu­ten), hat das Öl aus­rei­chend Zeit, an schwer erreich­ba­re Stel­len im Mund zu gelan­gen und die Bak­te­ri­en dort auf­zu­neh­men. Je län­ger es ein­wir­ken kann, des­to mehr schäd­li­che Bak­te­ri­en kön­nen „mit­ge­nom­men“ wer­den. Gleich­zei­tig wird beim Ölzie­hen das Zahn­fleisch gut mas­siert und dadurch bes­ser durchblutet.

Für Ein­stei­ger
Star­te mit 3–5 Minuten.

Mit der Zeit
Du kannst dich auf 10–15 Minu­ten stei­gern, wenn es sich gut anfühlt.

Wenn du mehr Zeit hast
Nimm dir 20 Minu­ten Zeit und erle­di­ge dabei ein­fach ande­re Din­ge, wie Obst für das Früh­stück schnei­den oder Was­ser kochen.

Die Wirkung von Ölziehen mit Kokosöl

Kokos­öl ist vor allem für Men­schen mit viel Pit­ta geeig­net oder wenn du zu Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen und  Blu­tun­gen neigst. Kokos­öl hat eine anti­bak­te­ri­el­le Wir­kung und wirkt ent­zün­dungs­hem­mend. Außer­dem hat es eine küh­len­de Wir­kung, die beson­ders gut für die Pit­ta-Hit­ze geeig­net ist.

Für den Vata-Typ, der eher zu Tro­cken­heit neigt, eig­nen sich vor allem Sesam­öl oder Ghee. Auch Sesam­öl hat eine anti­bak­te­ri­el­le Wir­kung und eig­net sich daher ide­al zum Ölziehen.

Der Kapha-Typ hat vor allem die öli­ge Eigen­schaft und benö­tigt daher eher weni­ger Öle sowie leich­te­re Öle wie Son­nen­blu­men­öl, Raps­öl oder Man­del­öl. Son­nen­blu­men­öl hat eine gute Kon­sis­tenz und einen mil­den Geschmack.

Welches Kokosöl eignet sich am besten zum Ölziehen?

Ach­te auf Qua­li­tät – das macht einen gro­ßen Unterschied.

Natur­be­las­sen (nativ)
Unraf­fi­nier­tes Kokos­öl ent­hält die natür­li­chen Bestand­tei­le und hat den typi­schen Geschmack.

Bio-Qua­li­tät
Sorgt für eine mög­lichst rei­ne Ver­ar­bei­tung ohne Rückstände.

Guter Geschmack
Wenn dir das Öl nicht schmeckt, wirst du es nicht regel­mä­ßig nutzen.

Kurz gesagt:
Je hoch­wer­ti­ger das Öl, des­to ange­neh­mer die Anwendung.

Häufige Fehler beim Ölziehen mit Kokosöl

Gera­de am Anfang pas­sie­ren oft klei­ne Din­ge, die das Ölzie­hen unnö­tig kom­pli­ziert machen:
 
Zu viel Öl
12 EL – 1 EL reicht voll­kom­men aus. Und es ist voll­kom­men okay, auch erst ein­mal mit 1 TL zu star­ten. Wenn du zu viel Öl ver­wen­dest, kannst du es nicht so gut durch die Zahn­zwi­schen­räu­me ziehen.
 
Zu lang oder zu kurz
Du kannst erst ein­mal mit 3 Minu­ten star­ten. Min­des­tens 3 Minu­ten sind emp­feh­lens­wert, damit das Öl ein­wir­ken und sei­ne Wir­kung ent­fal­ten kann.
 
Öl schlu­cken
Das Öl auf kei­nen Fall her­un­ter­schlu­cken, damit du die Bak­te­ri­en, die sich durch das Ölzie­hen gelöst haben, nicht her­un­ter­schluckst. Das Öl immer nach dem Ölzie­hen ausspucken.
Ölziehen eignet sich besonders für Menschen, die ihre Mundflora natürlich unterstützen wollen.

Ölziehen mit Kokosöl oder Sesamöl – was ist der Unterschied?

Bei­de Öle kön­nen wun­der­bar zum Ölzie­hen ver­wen­det wer­den. Sie unter­schei­den sich in ihrer Eigen­schaft und in ihrem Geschmack. Daher ist für den Vata-Typ Sesam­öl in der Regel bes­ser geeig­net und für den Pit­ta-Typ in der Regel Kokosöl.

Kokos­öl:
Geschmack: mild, leicht süß­lich
Eigen­schaft: küh­lend
Wir­kung: anti­bak­te­ri­ell und ent­zün­dungs­hem­mend
Anwen­dung: Beson­ders beliebt wegen sei­nes süß­li­chen Geschmacks, ent­hält B‑Vitamine und Vit­amin E.

Sesam­öl:
Geschmack: kräf­tig, nussig
Eigen­schaft: wär­mend
Wir­kung: anti­bak­te­ri­ell und ent­zün­dungs­hem­mend
Anwen­dung: Tra­di­tio­nell im Ayur­ve­da ver­wen­det, reich an Vit­ami­nen und Mine­ral­stof­fen, kann tief in das Gewe­be eindringen.

Bei­de Öle kön­nen ver­wen­det wer­den – ent­schei­dend ist, was sich für dich gut anfühlt

Für wen ist Ölziehen geeignet – und wann sollte man vorsichtig sein?

Ölzie­hen ersetzt nicht das Zäh­ne­put­zen. Ölzie­hen eig­net sich beson­ders für Men­schen, die ihre Mund­flo­ra natür­lich unter­stüt­zen wollen.
 

Ölzie­hen ist für dich geeig­net, wenn:

  • du Zahn­fleisch­pro­ble­me hast. Ölzie­hen kann hel­fen, Plaque zu redu­zie­ren und
    Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen zu mildern.
  • du mit Par­odon­ti­tis zu tun hast
  • als Beglei­tung zur The­ra­pie, um Kei­me zu reduzieren. 
  • du mit Mund­ge­ruch zu tun hast. Durch die anti­bak­te­ri­el­le Wir­kung kann Ölzie­hen hel­fen, Mund­ge­ruch zu reduzieren.
  • du emp­find­li­che Zäh­ne hast und dei­ne Mund­schleim­haut unter­stüt­zen willst.
  • du mit Mund­tro­cken­heit zu tun hast – hier kann das Öl befeuch­tend wirken.

Wann sollte man vorsichtig sein mit Ölziehen?

Ölzie­hen hat in der Regel kei­ne Neben­wir­kun­gen.
Das Öl soll­te jedoch auf kei­nen Fall geschluckt wer­den, da es Bak­te­ri­en aus dem Mund­raum ent­hält. Beim Ver­schlu­cken kann es gege­be­nen­falls zu Magen­ver­stim­mun­gen kom­men. Bei Kie­fer­pro­ble­men kann das Ölzie­hen über einen län­ge­ren Zeit­raum Schmer­zen aus­lö­sen. Bei Schluck­be­schwer­den soll­te man vor­sich­tig sein, da hier eine Aspi­ra­ti­ons­ge­fahr besteht. Bei Klein­kin­dern ist die Gefahr des Ver­schlu­ckens eben­falls groß

Häufige Fragen zum Ölziehen mit Kokosöl

Wie oft sollte man Ölziehen? 

Idea­ler­wei­se täg­lich, aber auch mehr­mals pro Woche kön­nen einen Unter­schied machen.

Mor­gens, 1 TL–1 EL in den Mund, eini­ge Minu­ten bewe­gen, aus­spu­cken, Mund aus­spü­len, Zäh­ne
put­zen.

Ja, nach dem Aus­spü­len und Zäh­ne­put­zen kannst du ganz nor­mal essen.
Es ist emp­feh­lens­wert, da es natur­be­las­se­ner und hoch­wer­ti­ger ist.

ann war die Men­ge oder Dau­er wahr­schein­lich zu viel. Redu­zie­re bei­des und tas­te dich lang­sam heran.

Wie finde ich meinen Dosha-Typ?

Wenn du weißt, wel­cher Dosha-Typ du bist, fällt dir ayur­ve­di­sche Ernäh­rung leicht. Du lernst, wel­che Lebens­mit­tel dich stär­ken – und wel­che dich aus der Balan­ce bringen.
 
Fin­de in nur 10 Minu­ten her­aus, wel­cher Dosha-Typ du bist und erfah­re, wel­che Ernäh­rung und wel­cher Life­style dir gut­tut, damit du in dei­ner Balan­ce bist.
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Über die Autorin

Jen­ny Leh­nen ist zer­ti­fi­zier­te Ayur­ve­da-Coa­chin und Grün­de­rin von Yogi­ve­da. Seit vie­len Jah­ren beglei­tet sie Frau­en dabei, ihre Ver­dau­ung zu stär­ken, ihre Doshas in Balan­ce zu brin­gen und Ayur­ve­da all­tags­taug­lich umzusetzen.

Ihr Schwer­punkt liegt auf ayur­ve­di­scher Ernäh­rung, Ver­dau­ungs­ge­sund­heit und sai­so­na­ler Lebens­wei­se. In ihrer Arbeit ver­bin­det sie tra­di­tio­nel­les Ayur­ve­da mit moder­ner Ernäh­rungs­leh­re und pra­xis­na­hen Empfehlungen.

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